Anreize zur Entwicklung von Kinderarzneimitteln?

Leider Fehlanzeige!

Die Erforschung und Entwicklung von Kinderarzneimitteln ist teuer und zahlt sich für die entsprechenden Unternehmen selten finanziell aus. Zum einen müssen hier für die verschiedenen Altersgruppen der Kinder getrennte Untersuchungen durchgeführt werden. Zum anderen gibt es bei Kinderarzneimitteln deutlich weniger potentielle Abnehmer. Denn zum Glück werden Kinder seltener ernsthaft krank als Erwachsene.

Nicht zuletzt deshalb gibt es in Deutschland zu wenige speziell für Kinder zugelassene Arzneimittel. Leider haben es der deutsche Gesetzgeber und die Krankenkassen bislang auch versäumt, Anreize zu schaffen, diese Situation zu ändern, im Gegenteil: die gesetzlichen Regelungen, die für die Erstattung von Arzneimitteln durch die Gesetzliche Krankenversicherung geschaffen wurden, lassen die Besonderheiten der Kinderarzneimittel völlig unberücksichtigt.

Ein Beispiel hierfür sind die sogenannten Festbeträge (SGB V § 35 pdf). Darunter versteht man die Obergrenze, bis zu der die Krankenkassen die Kosten eines Arzneimittels erstatten. Liegt der Preis eines verordneten Arzneimitttels über diesem Festbetrag, muss der Patient – oder bei Kindern deren Eltern - die Differenz aus eigener Tasche aufzahlen. Um diese zu ermitteln, werden die verschiedenen Medikamente sogenannten Festbetragsgruppen zugeordnet. Die Preise der unterschiedlichen Arzneimittel in einer solchen Gruppe dienen als Grundlage, um den Festbetrag zu bestimmen. Dabei gehen die Festbetragsgruppen von den Wirkstoffen oder den Wirkungen eines Medikaments aus - nicht aber von der Bevölkerungsgruppe, für die sie bestimmt sind. Wirkstoffe, die für Kinder erprobt wurden, oder kindgerechte Darreichungsformen werden daher nicht gesondert betrachtet, sondern gemeinsam mit den anderen Arzneimitteln, die diesen Wirkstoff enthalten, in die entsprechenden Festbetragsgruppen eingeordnet. Sonderregelungen, die die höheren Kosten der Unternehmen bei der Entwicklung von Kinderarzneimitteln berücksichtigen, gibt es nicht. Damit werden langfristig Qualität und Sicherheit der Arzneimitteltherapie bei Kindern gefährdet.

Verantwortungsbewusste Arzneimittelhersteller, die sich die Entwicklung auch schwierig herzustellender Arzneimittel auf die Fahnen schreiben, haben dennoch eine Vielzahl von Kinderarzneimitteln entwickelt und auf den Markt gebracht. Dieses besondere Engagement für Kinder wird aber durch die seit 2007 geltende Regelung für Arzneimittelrabattverträge massiv gefährdet. Besonders gilt dies für die sogenannten Wirkstoffverträge. Im Rahmen einer Ausschreibung suchen Krankenkassen (zum Beispiel die AOK) dabei Arzneimittelhersteller, die ihnen die Arzneimittel mit den entsprechenden Wirkstoffen zum günstigsten Preis anbieten. Was zunächst vernünftig klingt, führt zu massiven negativen Auswirkungen auf die Industrie und deren Innovationskraft. Denn nur wer den Zuschlag bekommt, darf für die Laufzeit des Vertrages (zum Beispiel zwei Jahre) die Versicherten der jeweiligen Krankenkasse mit Arzneimitteln versorgen. Alle anderen werden für diese Zeit von der Versorgung ausgeschlossen. Diese Praxis zwingt die Hersteller zu einem geradezu ruinösen Unterbietungswettbewerb. Als Folge gibt es nur Verlierer. Die Unternehmen, die keinen Zuschlag erhalten haben, verlieren erhebliche Marktanteile, die neuen Vertragspartner müssen dagegen ihre Arzneimittel zu Preisen abgeben, die nur knapp über den eigenen Kosten liegen. Bei allen Unternehmen sinken die Erlöse – und damit auch die Mittel, die für ein besonderes Engagement zum Beispiel für Kinderarzneimittel zur Verfügung stehen. Das schadet der Arzneimittelsicherheit. Und damit gehören letztlich auch die Patienten, vor allem aber die Kinder, zu den Verlierern.

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